Direktleitung
Eine Direktleitung verbindet Erzeugung und Verbrauch unmittelbar, ohne das öffentliche Netz zu nutzen, und wird deshalb anders behandelt als ein Netzanschluss. Aus dem Glossar von NEXA Horizons, der Climate Financing Plattform für gewerbliche Energie-Assets in Deutschland.
Was der Begriff bedeutet
Zwei Begriffe, eine Weichenstellung
Das Energiewirtschaftsgesetz kennt beide Formen. Eine Direktleitung ist die unmittelbare Verbindung zwischen einer Erzeugungsanlage und einem Verbraucher. Eine Kundenanlage ist ein Leitungsnetz innerhalb eines abgegrenzten Areals, das für den Betrieb des Netzes unbedeutend ist und diskriminierungsfrei zugänglich bleibt.
Die Einordnung ist keine Formalie. An ihr hängen die Netzentgelte, die Frage, ob Dritte Zugang verlangen können, und die Pflichten in der Marktkommunikation. Die EnWG-Novellen 2023 und 2025 haben die Kundenanlage weiter gefasst, unter anderem für Verbindungen zu EEG-Anlagen über nennenswerte Entfernungen. Die Abgrenzung bleibt eine Einzelfallbeurteilung und gehört vor den Baubeginn, nicht danach.
Was der Bau kostet
Die Kosten hängen an der Spannungsebene und am Boden, nicht am Kabel. In der Niederspannung, also bis rund 150 bis 200 m Trassenlänge und bis etwa 200 bis 300 kW, liegt der Tiefbau samt Material erfahrungsgemäß bei 120 bis 350 EUR je Meter, wobei der Spannungsfall die Grenze setzt, nicht der Querschnitt allein.
Ab größeren Entfernungen oder Leistungen wird Mittelspannung nötig. Dann kommen zur Trasse eine Kompakt-Trafostation und die Schaltanlage dazu, was den Sprung in der Investitionssumme ausmacht. Die eigentlichen Kostentreiber sind selten das Kabel: Querungen öffentlicher Straßen, Spülbohrungen, Asphaltwiederherstellung, Fels und Denkmalschutz bewegen die Summe stärker als jede Materialentscheidung.
Wann sich die Trasse rechnet
Eine Direktleitung lohnt sich, wenn auf der anderen Seite eine Last steht, die den Strom auch dann abnimmt, wenn die Sonne scheint. Ein Abnehmer mit ausgeprägter Tageslast über das ganze Jahr trägt eine Trasse, die ein Objekt mit saisonalem Verbrauch nicht trägt.
Was das für dein Projekt heißt
In der Projektprüfung ist die Direktleitung die Option, die am häufigsten zu früh eingeplant und am spätesten geklärt wird. Sie steht typischerweise dann im Raum, wenn Dachfläche und Verbrauch nicht auf demselben Grundstück liegen: eine Halle mit viel Fläche neben einem Betrieb mit viel Last.
Für die Unterlage zählen drei Dinge, und alle drei sind Dokumente, keine Annahmen: die rechtliche Einordnung der Leitung, die Zustimmung jedes Grundstückseigentümers auf der Trasse, gesichert über eine Dienstbarkeit, und ein Tiefbauangebot mit Bodengutachten. Fehlt eines davon, ist die Trassenlänge im Modell eine Schätzung, und der Kapitaldienst rechnet sich auf einer Schätzung.
Für die Laufzeit gilt dasselbe wie beim Stromliefervertrag dahinter: eine Trasse über 20 Jahre gegen einen Abnahmevertrag über 5 Jahre ist eine offene Position, die in der Prüfung sichtbar wird.
Stand: 10.08.2026 · Quelle: §§ 3, 110 EnWG (Direktleitung, Kundenanlage)
Stand: 10.08.2026 · Quelle: Erfahrungswerte aus der Projektprüfung, keine Rechts- oder Steuerberatung
Häufige Fragen
Wohin das führt
Passt dazu: Gewerbeimmobilien · PPA · Baukostenzuschuss