PPA
Ein Power Purchase Agreement ist ein langfristiger Stromliefervertrag, der Menge, Preis und Laufzeit unmittelbar zwischen Erzeuger und Abnehmer festlegt. Aus dem Glossar von NEXA Horizons, der Climate Financing Plattform für gewerbliche Energie-Assets in Deutschland.
Was der Begriff bedeutet
Drei Bauformen
Beim On-Site-PPA steht die Anlage beim Verbraucher und der Strom läuft nicht durch das öffentliche Netz. Netzentgelte, Abgaben und Umlagen fallen für diese Menge nicht an, was den Vorteil gegenüber dem Netzbezug ausmacht.
Beim Off-Site-PPA liegen Erzeugung und Verbrauch auseinander, der Strom nimmt den Weg durch das Netz und trägt die vollen Entgelte, Abgaben und Steuern. Der Vorteil liegt dann allein im Preisunterschied zur Beschaffung und in der Preissicherheit über die Laufzeit.
Beim virtuellen oder finanziellen PPA fließt kein Strom zwischen den Parteien. Vereinbart wird ein Ausgleich gegen einen Referenzpreis, physisch bleiben beide Seiten am Markt. Das ist ein Absicherungsinstrument und keine Lieferbeziehung.
Ab wann sich der Aufwand trägt
Ein PPA verursacht Kosten, bevor die erste Kilowattstunde fließt: Prüfung, Vertragsgestaltung, Bilanzkreis, laufende Abwicklung. Diese Kosten sind weitgehend unabhängig von der Menge, weshalb es Schwellen gibt, unterhalb derer der Aufwand den Vorteil auffrisst. Als grobe Orientierung trägt sich ein On-Site-PPA ab einem Jahresverbrauch in der Größenordnung von 150 MWh, ein Off-Site-PPA ab einigen Gigawattstunden, und rein finanzielle Strukturen erst deutlich darüber.
Was verhandelt wird
Die Preisformel: fest über die Laufzeit, mit Ober- und Untergrenze, oder als Differenzkontrakt gegen einen Marktpreis. Die Mengenflexibilität: Mindest- und Höchstabnahme, und wer das Risiko trägt, wenn die Anlage mehr oder der Betrieb weniger braucht. Und die Sicherheiten: Erzeugungsgarantien auf der einen Seite, Bonität oder Bankgarantie auf der anderen.
Für die Vertragsbasis gibt es Standardwerke, unter anderem das EFET-Muster und den Standardvertrag der Deutschen Energie-Agentur. Sie ersparen nicht die Verhandlung, aber sie verkürzen sie erheblich.
Die Bonität des Abnehmers
Ein PPA ist für den finanzierenden Kreditgeber genau so viel wert wie die Zahlungsfähigkeit des Abnehmers über die Laufzeit. Bei einem Abnehmer ohne Rating tritt eine Bankgarantie oder eine Sicherheit an die Stelle des Ratings, und ohne beides wird der Vertrag im Modell konservativer bewertet als er auf dem Papier aussieht.
Was das für dein Projekt heißt
Aus Sicht der Projektprüfung ist ein PPA kein Erlösmodell, sondern ein Dokument mit einer Laufzeit. Wichtig ist deshalb weniger der Preis als das Verhältnis zwischen Vertragslaufzeit und Finanzierungslaufzeit. Ein Vertrag über 5 Jahre gegen eine Finanzierung über 15 lässt zehn Jahre offen, und diese zehn Jahre werden mit einer Marktpreisannahme gerechnet, die niemand belegen kann.
Zweiter Punkt: das Lastprofil. Ein PPA über eine Jahresmenge sagt nichts darüber, ob der Verbrauch dann stattfindet, wenn die Anlage erzeugt. Bei einem Objekt mit Tagesbetrieb decken sich beide Kurven weitgehend, bei einem Schichtbetrieb mit Nachtlast nicht. Die Deckungsquote über 8.760 Stunden ist die Zahl, die zählt, nicht die Jahressumme.
Dritter Punkt: die Preisformel gehört zur Kapitalstruktur. Ein fester Preis trägt einen höheren vorrangigen Anteil als eine Formel, die an Marktpreisen hängt, weil die Bank den ungesicherten Teil abschlägt.
Stand: 10.08.2026 · Quelle: Erfahrungswerte aus der Projektprüfung, keine Rechts- oder Steuerberatung
Häufige Fragen
Wohin das führt
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