EPC-Vertrag
Der EPC-Vertrag überträgt Planung, Beschaffung und Errichtung einer Anlage auf einen einzigen Auftragnehmer, der sie zu einem festen Preis und Termin schlüsselfertig übergibt.
Was der Begriff bedeutet
Warum es diese Vertragsform gibt
Ein Bauvorhaben mit zehn Einzelgewerken hat zehn Schnittstellen, und jede davon ist ein Ort, an dem ein Termin verrutscht und niemand zuständig ist. Der EPC-Vertrag verlegt diese Schnittstellen in die Sphäre des Auftragnehmers: er schuldet ein funktionierendes Werk, nicht einzelne Leistungen.
Dafür zahlt der Auftraggeber einen Aufschlag, der die übernommenen Risiken abbildet. Der Vergleich mit der Einzelvergabe fällt deshalb nicht über den Preis, sondern über die Frage, wer eine Verzögerung oder einen Planungsfehler trägt, und ob der Auftraggeber die Kapazität hat, Gewerke selbst zu koordinieren.
Die vier Zusagen, auf die es ankommt
Ein belastbarer Vertrag enthält einen festen Preis mit abschließend geregelten Anpassungsgründen, einen verbindlichen Fertigstellungstermin, eine Leistungszusage für die Anlage und eine Verfügbarkeitszusage für den Betrieb. Ohne die letzten beiden ist der Preis eine Zahl ohne Bezugsgröße.
Dazu gehören die Rechtsfolgen, wenn eine Zusage nicht gehalten wird: pauschalierter Schadensersatz je Tag Verzug, ein Ausgleich für Minderleistung nach Messung, und für beides eine Obergrenze. Diese Obergrenze ist der Punkt, an dem verhandelt wird, denn sie entscheidet, wie viel Risiko am Ende doch beim Auftraggeber bleibt.
Sicherheiten und Abnahme
Die Erfüllung wird über Bürgschaften abgesichert, üblich sind eine Vertragserfüllungsbürgschaft während der Bauzeit und eine Gewährleistungsbürgschaft danach, jeweils als Prozentsatz der Auftragssumme. Die Abnahme trennt beide Phasen: mit ihr geht die Gefahr über, beginnt die Gewährleistungsfrist und wird der Großteil der Vergütung fällig.
Die häufigste Lücke liegt nicht im Vertrag, sondern an seinem Rand: der Netzanschluss. Wer welchen Teil der Anschlussanlage baut, wer die Inbetriebsetzung mit dem Netzbetreiber koordiniert und wer die Verzögerung trägt, wenn dieser Termin rutscht, gehört ausdrücklich geregelt.
Was das für dein Projekt heißt
Für die Finanzierung ist der EPC-Vertrag kein Anhang, sondern eine der drei Unterlagen, die eine Bank vollständig liest. Sie prüft darin genau die Punkte, die den Kapitaldienst im ersten Jahr sichern: Festpreis, Termin, Vertragsstrafen und die Bonität dessen, der sie schuldet.
Der letzte Punkt wird unterschätzt. Eine Leistungsgarantie über zwanzig Jahre ist so viel wert wie der Errichter, der sie gibt. Bei einem mittelständischen Errichter ohne Rating hängt der Wert an der Bürgschaft einer Bank oder Versicherung, und ohne diese Absicherung rechnet die Prüfung ohne die Garantie.
Praktisch gehört der Vertrag verhandelt, bevor das Projekt als Ready to Build angeboten wird, aber unterschrieben erst, wenn Baurecht und Netzanschluss stehen. Zwischen diesen beiden Zeitpunkten liegt die Bindefrist des Angebots, und sie ist regelmäßig kürzer als der Weg zur letzten Genehmigung.
Stand: 10.08.2026 · Quelle: Erfahrungswerte aus der Projektprüfung, keine Rechts- oder Steuerberatung
Häufige Fragen
Wohin das führt
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