P50 und P90
P50 und P90 bezeichnen zwei Punkte derselben Ertragsverteilung: den Wert, der in der Hälfte aller Jahre erreicht wird, und den, der in neun von zehn Jahren erreicht wird.
Was der Begriff bedeutet
Warum ein Ertrag eine Verteilung ist
Ein Ertragsgutachten liefert nicht eine Jahresmenge, sondern eine Aussage darüber, wie sicher diese Menge ist. Der P50-Wert wird im Mittel in jedem zweiten Jahr erreicht oder überschritten, der P90-Wert in neun von zehn Jahren. Zwischen beiden liegt bei einer Photovoltaikanlage üblicherweise ein niedriger zweistelliger Prozentbereich.
Die Streuung hat zwei Quellen, die sauber zu trennen sind. Die erste ist das Wetter: die Einstrahlung eines einzelnen Jahres weicht vom langjährigen Mittel ab, und dieser Anteil sinkt, je länger der betrachtete Zeitraum ist. Die zweite ist das Modell: die Unsicherheit der Einstrahlungsdaten, der Umrechnung auf die Modulebene und der Verlustannahmen. Dieser Anteil sinkt nicht mit der Zeit, er sinkt mit besseren Daten.
Wer welchen Wert benutzt
Eine Bank dimensioniert den Kapitaldienst nicht auf den Ertrag, den es in der Hälfte der Jahre gibt. Sie rechnet den Schuldendienstdeckungsgrad auf einem konservativen Punkt der Verteilung, üblicherweise P90 über ein Jahr oder P75 über die Kreditlaufzeit, und der Tilgungsplan folgt dieser Rechnung. Die Eigenkapitalseite rechnet daneben mit P50, weil das der Erwartungswert ist.
Beide Rechnungen sind richtig, und sie beantworten verschiedene Fragen: P90 fragt, ob der Kredit auch in einem schlechten Jahr bedient wird, P50 fragt, was das Projekt im Mittel verdient. Eine Unterlage, die nur eine der beiden zeigt, lässt die Frage der Gegenseite offen.
Was ein Gutachten belastbar macht
Belastbar wird es durch drei Angaben: die verwendete Einstrahlungsquelle mit ihrem Zeitraum, die einzeln ausgewiesenen Verlustannahmen von Verschmutzung bis Verfügbarkeit, und eine Unsicherheitsrechnung, aus der die Perzentile hervorgehen. Ein Gutachten ohne diese Rechnung nennt eine Zahl, aber es nennt kein P90.
Die Person, die es erstellt, gehört ebenfalls dazu. Ein Gutachten des Errichters ist eine Angabe des Verkäufers, und die Prüfung behandelt es entsprechend. Ein unabhängiges Gutachten kostet einen Bruchteil dessen, was ein Abschlag auf die angesetzte Menge über die Laufzeit kostet.
Was das für dein Projekt heißt
Der häufigste Fehler in Projektunterlagen ist nicht ein zu hoher Ertrag, sondern eine Ertragszahl ohne Perzentil. Sobald jemand fragt, welcher Wert das ist, bricht die gesamte Rechnung dahinter auf: Kapitaldienst, Deckungsgrad und Ausschüttung hängen an dieser einen Einordnung.
Praktisch heißt das, beide Werte nebeneinander zu führen und die Kennzahlen zweimal zu rechnen. Ein Projekt, dessen Deckungsgrad nur auf P50 trägt, ist kein finanzierbares Projekt mit optimistischem Gutachten, sondern ein Projekt mit zu viel Fremdkapital.
Der zweite Punkt betrifft die Degradation. Die Perzentile beziehen sich auf ein Jahr, meist auf das erste. Über zwanzig Jahre kommt der Leistungsverlust der Module dazu, und ein Modell, das den Ertrag des ersten Jahres fortschreibt, überzeichnet die späten Jahre genau dort, wo der Kapitaldienst noch läuft.
Stand: 10.08.2026 · Quelle: Erfahrungswerte aus der Projektprüfung, keine Rechts- oder Steuerberatung
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